Eine unglaubliche und wunderbare Geschichte

 

Es ist doch eine unglaubliche, wunderbare, höchst bemerkenswerte Geschichte, diese Weihnachtsgeschichte. Hirten in einer gottverlassenen Gegend berichten von Engeln, die sie in einer Nacht auffordern, zu einem Stall zu gehen. Dort liegt ein Kind in Windeln in einer Krippe. Zwei junge Eltern haben sich zu Ochs und Esel geflüchtet. Man gab ihnen keinen Raum, und so bekamen sie ihr Kind in erbärmlichen Umständen. Seltsame Reisende aus fernen Ländern bringen symbolreiche Geschenke. Und wer diese Geschichte hört, wird geheimnisvoll Teil der Heiligen Nacht.

Jedes Jahr richtet sich die ganze Welt nach ihr aus. Sie hat die schönste Musik hervorgebracht, die schönsten Bräuche, die uns in eigenartigste Gemütslagen bringen und in sonst unbekannte Stimmungen. Die ganze Kulturgeschichte ist geprägt durch diese Weihnachtsgeschichte, sie hat eine besondere Kraft, dass sie fast die ganze Welt irgendwie zum Feiern bringt. Der Erdball ist weihnachtlich geschmückt und gestimmt und erleuchtet. Und unser kleines Dithmarschen glitzert mit, von Lunden bis Brunsbüttel, in Geest und Marsch. Wir sind weihnachtlich ausstaffiert, und das ist gut so.

Denn diese Geschichte hat eine solche seltsame Prägekraft, dass sie uns eine eigene Geschichte mit ihr gibt. Jeder hat seine eigene. Irgendwie gehören diese Gestalten, Maria und Josef, Hirten und Herbergsväter und Ochsen und Esel und Engel und eigene Weihnachtserlebnisse, die eigene Kindheit, Großmutters Braten und Opas Baum, bunte Teller, Bräuche und Gerüche und die Seligkeit über manche Geschenke und alle eigene Sehnsucht zusammen. Man seufzt sich in seinen Erinnerungen und Gefühlen hinein in den Stall und in die Krippe, findet dort seinen Platz, und irgendwie weiß jeder, dass er da willkommen ist und so sein darf, wie er ist. Einfach so sein darf. Mit allem erlebten Glück und mit allen eigenen Lebenslasten.

Ich wünsche Ihnen gesegnete und friedliche Weihnachten in Ihren Häusern, in Ihren Familien. Bleiben Sie mutig und hoffnungsfroh in dieser manchmal dunklen und aus den Fugen geratenden Welt. Nutzen Sie diese Weihnachtstage, um zu den wesentlichen Dingen im Leben zurück zu finden, um den Alltag zu unterbrechen, um das Heilige im eigenen Leben zu suchen. Lassen Sie sich hinein ziehen in die Heilige Nacht, geben Sie eigenen Sehnsüchten Raum, finden Sie Ihre Geschichte in der Weihnachtsgeschichte. Besseres kann Ihnen nicht passieren.

Der alte Dichter Angelus Silesius hat gesagt: Und wäre Christus tausend Mal geboren und nicht in Dir, Du wärest tausend Mal verloren.

In diesem Sinne: Passen Sie auf sich auf. Seien Sie gesegnet! Frohe Weihnachten

Ihr Dithmarscher Propst Dr. Andreas Crystall