Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen…“.

Gedanken von Pastor Torsten Worm.

Zarah Leanders hat dieses Lied gesungen. Mitten im Krieg. Die Soldaten im Kugelhagel der Front und zuhause ihre Frauen und Freundinnen den Bomben schutzlos ausgeliefert. 

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen..“ Mit ihrer unvergleichlich tief rauen Stimme war dieses Lied für Millionen am Volksempfänger trotzige Hoffnung in erbarmungsloser Zeit. 

Dabei ist es eigentlich nur ein kleines, harmloses Liebeslied. Es singt vom Wiedersehen trotz aller Trennung. Es besingt das Gemeinsame in einer Zeit, in der Millionen durch Terror getrennt sind. 

Ein Schlager –mehr erst einmal nicht. Aber einer, der tief die Seele berührte und der Hoffnung neuen Raum gab. 

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen..“

Dieses Wunder war bereits geschehen. Davon erzählt die Entstehungsgeschichte des Liedes. Josef Göbbels hatte als Propagandaminister einen Wettbewerb ausgeschrieben. An diesem beteiligte sich auch der Komponist Michael Jarry. Er hatte mit dem Texter und Freund Bruno Baltz schon manch Erfolg gefeiert. Nur war Bruno Baltz von der Gestapo inhaftiert. Und so suchte Michael Jarry nach einer Möglichkeit, seinem Freund zu helfen. 

Der Propagandaminister lud Jarry ins Ministerium und der nutzte die Gelegenheit: Er wolle sich gerne beteiligen, aber sein Texter, ohne den er kein erfolgreiches Lied komponieren könne, sei in Gestapo-Haft. Daraufhin Göbbels „So etwas erledigen wir mit dem kleinen Finger.“ 

Bruno Baltz kam frei und er schrieb und es geschah das Wunder. Dieses Lied hat Bruno Baltz das Leben gerettet. 

Ich weiß,…auch ich wünschte mir dieser Tage ein Wunder. Nach gut drei Wochen Kontaktsperre, nach drei langen Wochen, in der Familie und Freunde nur über Telefon oder die sozialen Medien zu erreichen sind, in der Abstand das höchste Gebot der Stunde ist, sehne ich mich nach Nähe und Aufbruch. Nach einem Ostern der ganz neuen Art.  Und ich ahne – noch vorsichtig – auch dieses Wunder ist bereits geschehen. 

Unsere Gesellschaft hat sich durch die Corona-Pandemie verändert. Dieser Virus hat manch Abgrund ausgeleuchtet, von Ausgrenzung über Hamsterkäufe bis hin zu hirn- und verantwortungslosen Corona-Partys. Noch mehr aber hat diese Pandemie unsere wunderbaren Eigenschaften ans Licht gebracht.  

Ungezählt die Nachbarschaftshilfen. Nicht weniger die, die mit ihrem Beruf dafür Sorge tragen, dass das gesellschaftliche Leben nicht gänzlich zum Erliegen kommt. Sie erleben eine neue Wertschätzung und verdienen nicht allein unseren Dank, sondern auch eine angemessene Bezahlung. Das wird zukünftig kosten. Aber nach Corona sollte nicht vorschnell vergessen sein, wie kostbar diese Arbeit für uns alle ist. 

Bisher kannten wir von allem und jedem den Preis, vom Wert wollten wir aber nur wenig wissen. Auch das wird sich – hoffentlich – ändern. 

„Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen…“ Und dieses Wunder geschah. Leben brach sich Bahn. Gegen allen Tod. Das feiern wir Ostern. 

Diese alte Geschichte, die immer wieder neu erzählt, erlebt werden will. Diese alte Geschichte, die immer wieder uns neu wird. Auch oder gerade, weil wir sie nicht verstehen. Das leere Grab bleibt ein Wunder und die Begegnung mit dem Auferstandenen bleibt wunderbar, denn sie entzieht sich aller nüchternen Vernunft.

Das gilt schon für die ersten Zeuginnen. Maria Magdalena hält Jesus am Ostermorgen für den Gärtner. Sie erkennt ihren langjährigen Freund nicht. Er muss anders ausgesehen haben, verwandelt. 

Auch die Jünger aus Emmaus erkennen Jesus nicht gleich. Erst beim Brotbrechen, erst in Brot und Wein wird er erkennbar und entschwindet doch sogleich, weil eben nicht greifbar. Und der ungläubige Thomas braucht sogar die Berührung der Wundmale, um seine Zweifel zu überwinden.

Aber auch er muss erkennen, dass er nur die äußere Hülle berühren darf. Es bleibt bei vorsichtiger Berührung, ein leises Antasten von außen. Das Innere bleibt ein Geheimnis. Und das ist gut so. 

Denn jeder Versuch, einen Menschen ganz und gar zu durchschauen, nimmt ihm seine Würde. Entkleidet ihn auf brutalste Weise und lässt ihn ungeschützt zurück. Und das darf um Gottes Willen nicht sei. 

Was für den Menschen gilt, gilt auch im Gegenüber zu Gott. Jeder Versuch, Gott ganz und gar zu durchschauen, ihn, dem Thomas gleich, auf Augenhöhe begegnen zu wollen, entkleidet ihn. Kein Gott mehr, nur noch eine hohleSchale, die zurückbleibt. Vielleicht noch ein Gefäß, in dem all unsere Phantasien Platz finden. 

Am Ostermorgen am Grab haben die drei Frauen es lernen müssen. Sie suchten den Gekreuzigten und fanden das leere Grab. Vor dem aber stand ein Engel und wies ihnen den Weg: 

„Was sucht ihr Gott bei den Toten. Sucht ihn bei den Lebenden!“

Auch hier verborgen, auch bei den Lebenden nur in aller Vorsicht Annäherung. Mit den Augen Gottes sehen lernen. Mit liebendem Blick befreien und erkennen, dass Gott in jedem Menschen wohnt. Ein unvernichtbarer Kern, der ins Leben treibt und wachsen will.
Das ist Ostern.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und gesegnetes Osterfest.