Alles Luther – oder was?!?

Liebe Leserin, liebe Leser!

Alles Luther – oder was?!? Fünfhundert Jahre nach der Reformation hat Martin Luther augenscheinlich nichts von seiner Faszination eingebüßt. In diesen Monaten ist der Wittenberger Theologieprofessor in nahezu allen Medien präsent.

Und das treibt manchmal Blüten.

Luther als Playmobilfigur ist da nur eine, und zwar eine kommerziell erfolgreiche. Der kleine Mann verkauft sich sehr gut.

Ob gleiches auch für „Luthersocken“ und „Luthertomaten“ gilt??

Die Versuche, mit dem Reformator Geld zu verdienen, sind vielfältig und oft eben auch skurril. Es ist erstaunlich, wie viel „Lutherstädte“ es in Deutschland inzwischen gibt. Manch Touristiker scheint es zu genügen, dass dem großen Reformator der Name der Stadt nicht ganz fremd war, um sich mit seinem Namen zu schmücken.

Nur eine Ausnahme scheint die Regel zu bestätigen. Rom hat Luther noch nicht für sich entdeckt. Obwohl der junge Mönch nachweislich den Vatikan besucht hat.

„Lutherstadt Rom“ – das bleibt auch für den glühendsten Vertreter der Ökumene Utopie.

Die theologischen Gedanken und Erkenntnisse aber, die vor einem

halben Jahrtausend nicht allein die Kirche in ihren Grundfesten erschütterte und in der Folge zum Aufbruch und Neuanfang

zwang, sind auch heute noch ein gutes Pendent zum sich schnell verwehenden Zeitgeist.

Hier ist die Chance des Reformationsjubiläums. Nicht allein unsere Kirche sucht mit dem Reformator sich den eigenen Wurzeln wieder zu nähern.

Die von ihm wiederentdeckte Wahrheit, dass der Mensch allein aus Glaube gerechtfertigt ist, hat auch in fünf Jahrhunderten nichts von seiner Spannkraft verloren. Die Wiederentdeckung reforma-torischer Freiheit kann mit dazu beitragen, sich heute im immer enger werdenden Geflecht der Leistungsanforderungen moderner Gesellschaften neu zu orientieren.

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem Untertan.

Und ein Christenmensch ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann Untertan.“

1523 geschrieben und noch heute ein Stachel im Fleisch all derer, die Anspruch auf den ganzen Menschen erheben.

Die Freiheit eines Christen- menschen ist immer auch eine Absage an Vereinnahmung, welche Form sie auch haben mag.

Luther als Playmobilfigur – sicher auch eine Vereinnahmung. Aber eine, mit der sich augenzwinkernd spielen lässt, meint

Ihr Pastor Torsten Worm