Silvester 2020/2021

Kein rauschendes Fest, kein Feuerwerk am nächtlichen Himmel, eher eine stille Nacht, mit der sich 2020 verabschiedet. Silvester damit auch ein Spiegel des endenden Jahres. Über weite Strecken das öffentliche Leben auf das Notwendigste beschränkt. Das kulturelle Leben weitestgehend zum Erliegen gekommen. Theater und Kinos geschlossen, der Restaurantbesuch vielleicht noch die sommerliche Ausnahme. Alltäglich dagegen die Sorge vor Ansteckung mit dem Virus und für sehr viele auch die des wirtschaftlichen Niederganges. 2020 stellte vor bisher nicht gekannte Herausforderungen. Eine tiefe Krise, die aber nicht nur Einschränkungen zur Folge hatte, sondern auch die besten Seiten von uns Menschen wachrief:

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Empathie, Solidarität, tätige Nächstenliebe.

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Der Einkauf für die Nachbarin, der regelmäßige Anruf, der die Einsamkeit der Alleinstehenden wenigstens für eine kurze Stunde durchbricht, der Enkel, der die Oma in die fremde Welt des Internets einführt. Über die Welt verstreute Familien, die im Chatroom alle Grenzen mühelos überwinden. Bei allem gebotenem Abstand: die Suche nach und das neue Erleben von Nähe, auch das war 2020. Und dennoch, für das kommenden Jahr wünsche ich mir sehnlichst, wieder zur „alten analogen“ Welt zurückkehren zu können. Die dieser Tage begonnen Impfungen sind ein Silberstreif am Horizont. 
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Ein anderes Licht für 2021 kann die Jahreslosung sein.
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6,36)

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Orientierung in schwieriger Zeit, Wegweiser durch die kommenden Tage, Wochen und Monate: Barmherzigkeit. Mehr als eine Herzensangelegenheit, weit mehr als nur Gefühl. Barmherzigkeit will gelebt sein, getan werden. Sie braucht Herz und Hand, Mitgefühl und Verstand. Und in Krisenzeiten auch den widerständigen Geist. Barmherzig sein heißt auch Einspruch zu erheben gegen die Ansprüche der Egomanen dieser Tage. Die jetzt aufkeimende Diskussion um Sonderrechte für die bereits Geimpften ist sicher nur der Beginn einer längeren Auseinandersetzung und es bleibt zu hoffen, dass diese nicht alle Barmherzigkeit vermissen lässt. Ein deutliches Nein zu Ausgrenzung und Sonderecht ist barmherzig und damit ganz im Sinne des Lukas. Wer aber nein sagt, muss stark sein. Nicht laut. Es ist eine oft leise Stärke, die aus eigener Erfahrung von Barmherzigkeit ihre Kraft zieht.

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Diese Erfahrung wünsche ich ihnen und euch im kommenden Jahr. Gottes Segen für 2021.

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Pastor Torsten Worm